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Die Waldegg Ochsen PDF

Das Erlebnis Waldegg ist immer wieder für einen ausgefallenen Event gut. Weit herum schon bekannt sind die original Appenzeller Alpaufzüge, die im Sommer jeweils aus Richtung St. Georgen auf die Waldegg "fahren". Wir sind wohl weltweit das einzige Restaurant mit einem eigenen Alpaufzug! Aber auch die Fahrten mit unserem Ochsengespann sind nicht nur berühmt geworden, sondern machen aller Gattung Leute Spass!
Und so wurde die Ochsen-Idee geboren: Chläus Dörig staunte bei der Einweihung des Schnuggebocks im März 2001 nicht schlecht: Da stand plötzlich ein Stiere-Chälbli mitten im Entrée! Einige Freunde überraschten ihn mit diesem lebenden Geschenk. Die Gäste warteten natürlich alle auf den Moment, in dem der uni-braune Falk seine pflötterige Visitenkarte fallen lassen würde. Doch der offenbar gut erzogene kleine Kerl tat ihnen den Gefallen nicht. Vielleicht ist es deshalb, dass Chläus Dörig ihm den eigentlich vorgezeichneten Weg zur Schlachtbank ersparte? Denn Falk erfreut sich seines Lebens auf den saftigen Waldegg-Weiden. Allerdings um ein gewisses Etwas ärmer:
Falk wurde durch Kastration vom Stiere-Chälbli zum Öchsli. Ein Jahr später erhielt er gar einen Kumpan, den Fritz. Als Chläus Dörig eines Tages beim Schlachthäuschen eines lokalen Metzgers vorbei fuhr, sah er ein ganz speziell gefärbtes Stierenkalb, einen wunderschönen Blüem (Appenzeller Ausdruck für ein Braunvieh mit weissen Zeichnungen, Blässen im Fell). Spontan kaufte er dem Schlachter den Fritz ab. Auch dieser wurde zum Öchsli. Fritz und Falk sind mittlerweile zwei mächtig kräftige Burschen geworden,
Doch nicht genug mit der schieren Anwesenheit zweier Ochsen auf der Waldegg. Die Idee wurde weiter gesponnen. Das Erlebnis Waldegg sollte ein veritables Ochsengespann erhalten! Gedacht, getan, nämlich einen Ochsenwagen gesucht. Im "St. Galler Bauer" wurde man fündig: Fürs erste und vor allem fürs Training leistete der luftbereifte ehemalige Langholz-Transportwagen gute Dienste. Ein Sattler in Hundwil lieferte ein in der traditionellen Art gefertigtes, neues Ochsen-Geschirr. So wurden nun Fritz und Falk t als Zug-Ochsen ausgebildet und geschult. Diese alte, fast ausgestorbene und damit wohl wieder neue Arbeit hat Walter Nüesch übernommen. Als diplomierter Landwirt kümmert er sich seit einigen Jahren um die Landschaft auf der Waldegg und um ihre Tiere.
Nun werden Fahrten mit dem Ochsengespann angeboten. Fritz und Falk sind soweit, dass Sie im Ernstfall als Zugochsen brillieren können. Ein stilechter mit Tisch und Bänken ausgerüsteter Langholzwagen ist in der Zwischenzeit bei einem Zimmermann und einem Landmaschinenmechaniker in Appenzell entstanden.
Es könnte ja sein, dass Fritz oder Falk einmal unpässlich wären. Darum haben sie Verstärkung erhalten. Franz, Waldegg Ochse Nummer 3, geboren am 7. Oktober 2006,  also deutlich jünger als seine beiden Kollegen Fritz (geboren 2002) und Falk (geboren 2001), ist zu ihnen gestossen. Franz wird dazu ausgebildet, für seine älteren Freunde einzuspringen.
Ochsenfahrten auf der Waldegg. Freude herrscht ob einem nostalgischen Event, den nur das Erlebnis Waldegg bieten kann.
((Hier auch einige Fotos von der alten Website verwenden, als die Ochsen noch jünger waren; passt zur Geschichte))

Hufschmied mit Ochsenerfahrung gesucht
Für den harten Einsatz am neuen Langholzwagen mussten die beiden Ochsen beschlagen werden. Dabei stellte sich das Problem, dass kein aktiver Hufschmied im Appenzellerland über die entsprechende Erfahrung mehr verfügte. Einem Ochsen neue "Schuhe" anzuziehen ist heute nicht mehr alltäglich. So genügte nicht ein einzelner Hufschmied, sondern es musste ein ganzen Team organisiert werden: Michael Frischknecht aus Lutzenberg, der auch für das Beschlagen der Isländer Pferde auf der Waldegg zuständig ist, musste auf die Hilfe eines Kollegen aus Diepoldsau zurückgreifen. Klemens Spirig assistierte zusammen mit seinem Vater Walter, der, wie sein Sohn gelernter Huf- und Wagenschmied, "vor 40 Jahren zum letzten Mal ein Öchsli beschlagen" hatte. Michael Frischknecht arbeitete also am Samstag, den 27. März 2004 an den beiden Ochsen, während die beiden Spirigs mit Rat und Tat das Werk verfolgten. Alle hiesigen Hufschmiede waren schliesslich auch froh, den Rat eines fremden Experten beiziehen zu können.: Simon Alt hat sich nämlich auf Hufschmiede-Problemfälle spezialisiert. Heute zählt auch das Beschlagen von Ochsen dazu!
 
Learning on the Job
Für ein solch nostalgisches Unterfangen ist vielleicht ein englischer Titel etwas unpassend, doch er trifft die Sache genau. Beim Beschlagen des ersten Ochsen vergingen noch gut zwei, für den zweiten genügte eine knappe Stunde. Die acht Hufeisen waren aufgrund eines verrosteten, fünfzigjährigen Musters vorbereitet worden, und mussten vor Ort an die einzelnen Hufe angepasst und fertig zugeschnitten werden. Im Unterscheid zu Pferden sind Rindviecher, also auch Ochsen, Paarhufer, haben also statt eines einzigen Hufs zwei Zehen. Nur die äussere wird beschlagen, die innere bleibt ohne Eisen und damit auch gegenüber der äusseren beweglich. Zwischen den beiden Zehen kommt ein Dorn zu liegen, der am vergleichsweise kleinen Ochseneisen angeschweisst ist. Dieser wird oberhalb der Zehe nach aussen gebogen. Aufgrund der mangelnden Erfahrung brach denn auch dieser Dorn gleich nach dem Aufnageln des ersten Eisens wieder ab. Eine zweite Anpassung brachte dann aber den Erfolg.
 Das Werk lobt den Meister
"Eigentlich sollte ich bei einem Ochsen schneller sein als bei einem Pferd" meinte nach getaner Arbeit Michael Frischknecht lachend. "Doch es war halt das erste Mal. Vor allem beim Schneiden der Klauen musste ich vorsichtiger sein. Beim Pferd merke ich beim Schneiden des Hufs viel schneller, wenn ich an die lebende Substanz komme. Ich habe dann auch prompt einmal etwas zu tief geschnitten." Aber zum Schluss hatten alle Freude am Gelingen der ungewohnten Arbeit, der aktive Hufschmied, die kritischen Berater und einige interessierte Zuschauer, die ob dem überraschenden Anblick ihre Wanderung auf dem Eggen-Höhenweg unterbrochen hatten. Fritz und Falk konnten denn mit ihren neuen Eisen sofort ganz normal geführt werden. Offensichtlich passten die neuen "Schuhe" genau. Diese wurden ja auch länger als üblich angepasst und fast liebevoll justiert. Nun sind die beiden Waldegg-Ochsen wirklich bereit für ihren ersten öffentlichen Auftritt